16. August 1945
Protokoll der Sitzung des Präsidiums der Landesverwaltung

Sitzung am 16.8.45 15.30 Uhr

Zu der heutigen Sitzung erscheint nur Herr Reg. Präsident Dr. Paul, Vizepräsident Busse, Vizepräsident Dr. Kolter, Vizepräsident Dr. Appell.
Nach Eröffnung der Sitzung durch Herrn Präsidenten Dr. Paul wird mitgeteilt, dass die Russe n 1 im Bezirk Arnstadt verschiedene Strassen, Dörfer und die Bahn sperren, 2 weil sie Scharfschiessen vom 17.-26.8.45 halten. [Dieser Zustand ist natürlich nicht möglich.] 3 Herr Vizepräsident Busse soll versuchen, gemeinsam mit dem Landrat von Arnstadt, welcher in dieser Angelegenheit zur Sitzung mit hinzugezogen wurde, [diese Angelegenheit mit den Russen zu klären] 4 und den Vorschlag machen, sich doch auf den Truppenübungsplatz Ohrdruf zu beschränken, da sich dieser Platz vorzüglich dazu eignet.
Die Fa. Lehmann & Co preist eine Telefonanlage an, die an sich sehr günstig ist. Nach einigem Überlegen kommt man zu dem Entschluss, Herrn Dr. Appell mit der Erledigung dieser Sache zu beauftragen und sich mit der Post in Verbindung zu setzen.
Für die Evakuierten ist es wohl möglich Wohnungen zu schaffen, für die Ernährung treten aber Schwierigkeiten auf. Man macht den Vorschlag, die Evakuierten zentral zu versorgen.
Dieser Punkt soll in der nächsten Sitzung weiter besprochen werden.
Die Leitung der Werkzeugmaschinenfabrik Weimar macht den Vorschlag, dass dieses Werk eine Stiftung werden soll. Dieses Werk beschäftigt ca. 700 Mann. Es wird dort für die Russen gearbeitet und Reparaturen von Waggons für die Deutschen getätigt. 5 Man ist nicht dagegen und Herr Dr. Fischer soll sich mit dem russischen Oberleutnant in Verbindung setzen.
Über die Besprechung in Naumburg mit dem Leiter des Braunkohlensyndikats hat Herr Präsident Dr. Paul eine Niederschrift angefertigt und will dieselbe den Herren überreichen.
Herr Vizepräsident Busse teilt mit, dass morgen eine Sitzung der politischen Parteien zwecks Zusammenarbeit ist . 6 Aus diesem Grunde soll die morgige Sitzung ausfallen und dafür am Sonnabend um 11 Uhr stattfinden.
Herr Dr. Loussen wurde gebeten, sich zu der Flüchtlingsfrage zu äussern. Er bittet darum, für die Flüchtlinge das Lager Buchenwald nehmen zu können, da dann viele Fragen mit einem Schlage geklärt wären.
Das Rote Kreuz stellt einen Antrag und bittet, Geld aus dem Fond[s] für das beschlagnahmte Vermögen zur Verfügung zu stellen.
Herr Barth 7 soll damit beauftragt werden, die aus der Justiz kommenden Anschuldigungen zu überprüfen.
Herr Vizepräsident Busse gibt von einem in Heiligenstadt erschienenen Flugblatt Kenntnis, [welches die Dauer der Besetzung usw. wissen will.] 8
Nach Verfügung der russ. Militärregierung sollen nur eine bestimmte Anzahl von Telefonapparaten in Betrieb sein und zwar in
Weimar - statt 3 300 nur noch 650
Erfurt - statt 8 000 „ „ 1 700
Land Thüringen - „ 63 000 „ „ 32 000
Es sind wohl eine Menge überflüssige Apparate in Betrieb, aber zum grössten Teil werden doch diese benötigt, denn was ist ein Handwerk ohne Telefon, was ist die Industrie ohne Telefon, ein toter Zweig. Das Telefon muss unter allen Umständen bleiben.
Ende der Sitzung 17.00 Uhr.
B

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten , Nr. 459, Bl. 63/6r (ms. Ausfertigung mit hs. Korrekturen und Streichungen).

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