13. August 1945
Protokoll der Sitzung des Präsidiums der Landesverwaltung

Sitzung am 13.8.45 16.30 Uhr

Herr Reg. Präsident Dr. P a u l eröffnet die Sitzung und erstattet Bericht.
Bei einem Besuch in der Brabag 1 wurde festgestellt, dass dieses Werk wieder voll arbeitet und voll einsatzfähig ist. Das Werk Böhlen wurde lahmgelegt, da der Ersatzmann nicht fähig war, dieses Amt zu bekleiden und der eigentliche Leiter wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP entlassen wurde. Durch diese Entlassung ist ein grosser Schaden entstanden. Über die noch laufenden Verhandlungen wird ständig Bericht erstattet.
Durch einen Ingenieur wird die Saaletalsperre wieder hergerichtet. Die betraute Firma ist Siemens & Halske, Berlin, welche auch den erwähnten Ingenieur entsendet. Das Material wird trotz des Verbotes, dass für Neubauten kein Material hergegeben werden darf, gestellt.
Die Kohlenlage: Infolge Waggonmangel und Fehlen von Hauern verzögert sich der Abtransport der 180 000 Ctr. Der Verbrauch der Eisenbahn durch den gesteigerten Personenverkehr beträgt ca. 50 %. Der Güterverkehr hat nachgelassen.
Das Gerücht, dass die Russen fortkommen, 2 welches durch die Landräte und Oberbürgermeister ganz energisch widerlegt werden muss, hat uns gewisse Nachteile gebracht. Die Bevölkerung, vor allen Dingen aber der Bauer, ist der Ansicht, dass der Russe, sollte er fort kommen, uns alles fortschleppt. Aus diesem Grunde ist der Bauer vorsichtig und lässt lieber das Korn auf dem Felde umkommen, was durch die Schlechtwetterlage noch begünstigt wird, als dass er es der Ernährung zuführt. Um diesem Gerücht entgegenzutreten, müssen Oberbürgermeister und Landrat energisch dagegen auftreten.
In Magdeburg ist der allgemeine Banken- sowie Postscheckverkehr in Gang, während bei uns in Thüringen die Banken geschlossen sind, ganz besonders schlimm ist es damit in Weimar. Dadurch kann das Geld nicht rollen und es bleibt alles im Privatbesitz.
Das Finanzamt besitzt noch ca. RM 2.000, --
Über die Geldangelegenheit ist man sich nicht ganz einig geworden.
Ferner wird von der allgemeinen Verhaftungswelle in Erfurt berichtet. [Man verhaftet dort alles. Man hat dort u.a. auch eine Person verhaftet, die niemals Mitglied der NSDAP war und es ist verständlich, 3 wenn Handel und Industrie über diese Verhaftung entsetzt ist, zumal dieser Mann als Beauftragter nach Berlin berufen werden sollte.] 4
Es wurde hier bekannt gegeben, dass sämtlichen Parteiangehörigen und auch solchen, die mit Parteigenossen verwandt sind, der Dienst in der Verwaltung aufgesagt werden soll. Durch diese Anweisung entsteht aber ein allgemeiner Stillstand in der Verwaltung. Die GPU 5 marschiert, die Leute werden verhaftet und uns fehlen die Arbeitskräfte.
Herr Reg. Präsident Dr. Paul erklärt, diese Fragen mit dem Kommandanten zu erörtern und zu versuchen, dass die Polizei von diesen Dingen Kenntnis erhält und somit bei Verhaftungen usw. mit entscheiden kann. Es besteht sonst für uns die Gefahr, bei ungerechten Verhaftungen, dass das Volk zu der zivilen Verwaltung das Vertrauen verliert.
Aus Erfurt wird berichtet, dass die Stadt das letzte noch zur Verfügung stehende Krankenhaus hergeben soll. Es muss hier ganz energisch gegen die Willkür des Ortskommandanten vorgegangen werden.
Durch die verschiedenen Kommandanten entstehen gewisse Probleme, da diese selbständig arbeiten und sich nicht an die allgemeinen Vereinbarungen halten. Auch hierüber sollen noch Verhandlungen geführt werden.
Es wird nun wieder die Frage des Beamten- bezw. Angestelltenverhältnisses aufgeworfen. Man kommt zu dem Entschluss, dass ab 13.8.45 keine Personen als Beamte mehr eingestellt werden und auch in Zukunft nur noch im Angestelltenverhältnis gearbeitet wird.
Herr Landesdirektor M o o g gibt dann einen allgemeinen Überblick über die allgemeine finanzielle Lage, welche durch die Schliessung der Banken nicht gerade günstig ist. Durch die Schliessung kann das Geld nicht rollen und bleibt daher im Privatbesitz. Nach längerer 6 Diskussion kommt man zu dem Entschluss, auch diese Sache beim Kommandanten vorzutragen.
Herr Dr. Kolter bringt zur Kenntnis, dass der Wildschaden sehr gross ist. Es wird der Vorschlag gemacht, dass dies durch Abschuss beseitigt wird. Der Abschuss soll durch die Förster erfolgen.
Des weiteren wird die Frage des Wappens für das Land Thüringen aufgeworfen, auch wird die Landesfarbe bestimmt. Es sollen die Farben weiss-rot genommen werden.
Zum Schluss wird noch einmal über die Verlegung des Oberland[es]gerichtes nach Gera diskutiert. [Man kommt zu dem Entschluss, dasselbe doch in Jena zu belassen.] 7
Es wird danach noch einmal [kurz] 8 die Frage der Gewerkschaften erörtert.
Ende der Sitzung 17.45 Uhr.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar , Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 459, Bl. 63/1r, 63/2r (ms. Ausfertigung mit hs. Streichungen u. Korrekturen).

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