11./16. August 1945
Aus dem Rundschreiben Nr. 6 des SPD-Landesvorstandes über den Bericht „Die organisatorische Lage“ auf der Landeskonferenz

Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Weimar, den 16. August 1945
Landesverband ThüringenW e i m a r
Rundschreiben Nr. 6
An die Kreis- und Ortsvereins-Vorstände
Werte Genossinnen und Genossen!
Bericht von der Bezirkskonferenz.
Am 11. August 1945 fand im Volkshaus zu Weimar eine Bezirkskonferenz unseres Landesverbandes statt, zu der die Kreis- und Ortsvereins-Vorsitzenden eingeladen waren. Anstelle des erkrankten abwesenden 1. Landesvorsitzenden, Gen. Dr. Hermann L. Brill, eröffnete der 2. Landesvorsitzende Gen. Heinrich Hoffmann die Konferenz mit der Bekanntgabe folgender Tagesordnung:
1. Bericht über die organisatorische Lage der Partei
2. Bericht der Satzungskommission
3. Stellungnahme zur Gewerkschaftsfrage
4. Bericht der Pressekommission
5. Bericht zur Bildungsfrage.
Der Ehrenpräsident der 1. Landeskonferenz, Gen. August Frölich, Weimar, leitete die Tagung.
Zu Punkt 1 der Tagesordnung: „Die organisatorische Lage“ führte Genosse Hoffmann u.a. aus:
Bald nach unserer ersten Landeskonferenz wurde die Landesregierung umgebildet. Die Sozialdemokratische Partei hat darauf keinen Einfluß gehabt, sodass die Regierungsumbildung den Entschlüssen und Wünschen der Partei nicht entspricht. Dies ist den anderen Parteien des Landes schriftlich und mündlich zur Kenntnis gebracht worden. Der Landesverband steht mit ihnen weiterhin in Verhandlungen und ist der Auffassung, dass der Sozialdemokratischen Partei auf der Grundlage paritätischer Verteilung der Landesämter ein Anspruch auf 3 Landesämter zusteht.
Bei der Sowjet-Russischen Militäradministration für das Land Thüringen ist auf Grund des Beschlusses der 1. Landeskonferenz bereits am 16. Juli 1945 ein Antrag zur Genehmigung der Herausgabe einer Tageszeitung für das Land Thüringen unter dem Titel „Freiheit“ eingereicht worden. Hierüber haben mehrfach mündliche Verhandlungen der Genossen Heinrich Hoffmann, Dr. Hermann Brill und Adolf Bremer mit dem stellvertretenden Chef der Sowjet-Russischen Militäradministration, Garde-Generalmajor Kolesnitschenko, stattgefunden, ohne dass es zu einem abschliessenden Ergebnis gekommen ist.
Die Besatzungsbehörde nahm vor allen Dingen Anstoss an dem 1 Namen „Bund demokratischer Sozialisten“ sowie an dem Buchenwalder Manifest. Es ist deshalb erforderlich, dass das Buchenwalder Manifest von keiner Untergliederung unseres Verbandes weiterhin als Grundlage unserer Tätigkeit benutzt wird. Es kann lediglich als historisches Dokument und als Material für die künftige Gestaltung unseres Reichsparteiprogramms gelten. Die Bezeichnung „Bund demokratischer Sozialisten“ darf von keinem Kreis- und Ortsverein mehr geführt werden. Es ist unbedingt erforderlich, dass diese Bezeichnung von allen Briefbogen, Stempeln, Druckschriften usw. verschwindet.
Mit dankenswerter Hilfe der Sowjet-Russischen Militäradministration für das Land Thüringen ist es uns gelungen, nun auch die Verbindung mit dem Zentralausschuss der SPD in Berlin aufzunehmen. Herr Garde-Generalmajor Kolesnitschenko ermöglichte unserem Genossen Dr. Brill eine Reise nach Berlin, sodass ihm vom Zentralausschuss die notwendige schriftliche Ermächtigung und Vollmacht für den Aufbau des sozialdemokratischen Landesverbandes Thüringen erteilt werden konnte. Damit sind die Voraussetzungen für den legalen Aufbau unserer Partei im Lande Thüringen geschaffen. Der Landesvorstand ist nunmehr entsprechend dem Befehl Nr. 2 des Marschall Shukow als rechtmässiger Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands für das Land Thüringen anerkannt und bevollmächtigt , mit der Sowjet-Russischen Militäradministration für das Land Thüringen zu verhandeln.
[…]
Mit sozialistischem Gruss!
Der Landesvorstand
gez. Heinrich H o f f m a n n
2. Landesvorsitzender

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt , V/6/6-018, Bl. 99r-100v, hier Bl. 99r, 99v (hektographiert).

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