11. August 1945
Stellungnahme der außerordentlichen Sitzung des SPD-Landesvorstandes zur Regierungsbeteiligung und Nominierung der Vertreter im Landesparteienblock

P r o t o k o l l
zur ausserordentlichen Sitzung des Bezirksvorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Bezirk Thüringen, am
11. August 1945.

Anwesend waren die Genossen:Heinrich Hoffmann - ErfurtKurt Böhme - JenaKarl Buchmann - ErfurtWalter Federbusch - JenaGustav Brack - WeimarCäsar Thierfelder - WeimarIda Karthäuser - WeimarMarie Carnarius - WeimarAdolf Bremer - Weimar.
Nicht anwesend waren die Genossen:Dr. Brill - Weimar, Kästner - Altenburg, Steinbrück - Arnstadt.
Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt:
Stellungnahme zur Regierungsbeteiligung.
Genosse Böhme berichtete kurz über die Vorgänge, die sich in den letzten Tagen in Bezug auf die Stellungen unserer Genossen Böhme und Hoffmann in der Präsidialkanzlei 1 ereignet haben. In einer Aussprache mit dem Genossen Busse von der Bezirksleitung der KPD, dem 1. Vizepräsidenten des Landes Thüringen, betonte Genosse Böhme, dass auf dem jetzt eingeschlagenen Boden eine aufrichtige Zusammenarbeit unserer beiden Parteien nicht möglich ist. Er habe als Vertreter der Partei eine Spitzenstellung bekleidet, wenn diese genommen wird, 2 muss er das als eine Brüskierung der Partei ansehen. In der Nachmittagssitzung des Kabinetts vom Freitag war dann beschlossen worden, unserer Partei das Landesamt des Innern anzubieten. 3 Genosse Böhme solle das Amt des Landesdirektors übernehmen und Genosse Hoffmann in die Polizeiabteilung übernommen werden. 4 Genosse Hoffmann machte den Genossen Busse darauf aufmerksam, dass die Partei bei Wahrung der Parität Anspruch auf ein drittes Landesamt erhebt. Die endgültige Stellungnahme soll dem Genossen Busse nach Anhörung des Bezirksvorstandes übermittelt werden.
Nach einer Aussprache fasste der Bezirksvorstand folgenden Beschluss:
Auf der Grundlage paritätischer Verteilung der Landesämter unter die blockbildenden demokratischen Parteien steht der Partei ein Anspruch auf 3 Landesämter zu. Der Bezirksvorstand beauftragt die Genossen Hoffmann und Böhme, diesen Anspruch gegenüber dem Genossen Busse als dem Bezirksleiter der KPD zu vertreten. Der Bezirksvorstand billigt weiterhin, dass der Genosse Böhme die Leitung des Landesamtes übernimmt unter der Voraussetzung, dass seitens der KPD der Anspruch auf 3 Landesämter nicht bestritten wird. Die Übernahme des Landesamts des Innern durch einen Vertreter der Partei setzt selbstverständlich voraus, dass der Leiter des Landesamts des Innern mit derselben eigenen Zuständigkeit in seinem Verwaltungsbereich wirken kann wie die Landesdirektoren der anderen Landesämter.
Als Vertreter in den Antifaschistischen Block wurden dann noch bestimmt die Genossen:
Dr. Hermann Brill-Weimar, Curt Böhme-Jena, Hermann Gründler-Greiz, Elisabeth Frölich-Weimar, Bruno Bieligk-Weimar.
Als Stellvertreter wurden benannt:
die Genossen Hoffmann, Thierfelder und Brack.
Weimar, den 13. August 1945. Marie Carnarius

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt , II/2-003, Bl. 11r (ms. Ausfertigung).

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