27. Juli 1945
Aktennotiz des Landespräsidenten Rudolf Paul über die Besprechung mit dem SMATh-Verwaltungschef Iwan S. Kolesnitschenko zur neuen „Landesbank Thüringen“

AktennotizWeimar, den 27. Juli 1945Abendbesprechung
Anwesend:Präsident Dr. PaulRegierungsdirektor Dr. Fischer Generalmajor Kolesnitschenko 1

Wir tragen den am Nachmittag gefertigten Entwurf vor, er findet die Billigung von Generalmajor Kolesnitschenko. Um nach aussen hin erkennbar zu machen, dass eine neue Bank erstanden ist, schlage ich den Namen „Landesbank Thüringen“ vor. Er wird genehmigt. Eine lange Aussprache entspinnt sich darüber, ob mit sofortiger Wirkung alle Forderungen gegenüber dem Reich sowie gegenüber den Bankanstalten, die ihren Sitz ausserhalb Thüringens haben, gestrichen werden sollen. Nach Ansicht des Generals sind diese Banken bankrott und [als] nicht mehr vorhanden zu streichen. Dem gegenüber weisen wir übereinstimmend darauf hin, dass das eine ausserordentliche Gefährdung der gesamten Wirtschaft, ja deren Zusammenbruch zur Folge haben wird. Es muss eine allmähliche Überleitung zu dem von General Kolesnitschenko erstrebten Reinigungsprozeß erfolgen.
Ergebnis der Besprechung: Die neue Bank ist noch unter dem 27.ds.Mts. zu errichten, damit am Sonnabend, den 28.ds.Mts. die thüringischen Banken, die in dieser aufgegangen sind, soweit es sich nicht um kleine Privatbanken handelt, wieder eröffnen können. Ich rege an, dass Herr Dr. Gaertner zusammen mit einem erfahrenden Bankbeamten, der vor allem in banktechnischen Fragen erfahren sein soll, nach Berlin fährt, um dort festzustellen, in welcher Weise die vom General in der Reichshauptstadt vollzogene Bankneuorganisation geschehen ist. Dem wird zugestimmt. P.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Land Thüringen - Büro des Ministerpräsidenten, Nr. 1637, Bl. 10r (ms. Ausfertigung).

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