6.Juli 1945
Niederschrift über das erste Treffen von Vertretern der BdS- und KPD-Landesleitungen
Am 6. Juli 1945 fand in Weimar im Parteihaus am Goetheplatz eine von der KPD herbeigeführte gemeinsame Sitzung statt, die vom Genossen Ernst Busse eröffnet wurde und der bekannt gab, daß vom Bund demokratischer Sozialisten die Genossen Baumeister 1 , Frölich, Hildebrandt, Thierfelder, Brill und die Genossin Carnarius und von der Kommunistischen Partei die Genossen Busse, Wolf, Brumme, Günther, Eyermann und Trillitzsch erschienen sind. Sinn und Bedeutung der Aussprache war die Bildung eines gemeinsamen Arbeitsausschusses der KPD und der SPD gemäß dem Berliner Beispiel. Das Verlangen der Arbeiter zur Einheit und Einigkeit sei zu einer organisatorischen Notwendigkeit geworden. Der Genosse Busse verlas dann die 5 Punkte der Vereinbarung des ZK der KPD und des Zentralausschusses der SPD: 2
1. Enge Zusammenarbeit bei der Durchführung der gemeinsam beschlossenen dringlichen Aktionsaufgaben zur Liquidierung der Überreste des Nazismus und zum Wiederaufbau des Landes auf sicheren Grundlagen. Als Voraussetzung hierfür wird der Aufbau einer antifaschistischen, demokratisch-parlamentarischen Republik betrachtet, die die Fehler und Schwächen der Vergangenheit vermeidet und dem schaffenden Volk alle demokratischen Rechte und Freiheiten sichert.
2. Es sind alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um mit allen antifaschistischen demokratischen Parteien Vereinbarungen über die Bildung eines festen Blocks zu treffen.
3. Gemeinsame Vertretungen der Interessen des schaffenden Volkes in Stadt und Land.
4. Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen beider Parteien.
5. Gemeinsame Beratungen zur Klärung ideologischer Fragen.Der Genosse Dr. Brill wich aus und erklärte, daß sie nur die Vertreter der demokratischen Sozialisten von Weimar seien und infolge der Verkehrsschwierigkeiten und der Arbeit in den Ämtern noch nicht in der Lage gewesen seien, enge Verbindung im Lande herzustellen. Es werde aber am Sonntag, also am 8. Juli, eine Besprechung im Landesmaßstab stattfinden und dann die autorisierten Vertreter bestimmt werden. Wenn auch die Herbeiführung einer Aktionseinheit dringend sei, so könnten sie heute noch keine endgültige Entscheidung treffen. Genosse Dr. Brill machte den Vorschlag, am Montag, den 9.7. eine nochmalige gemeinsame Sitzung einzuberufen, in der dann endgültige Entscheidungen herbeigeführt werden sollten. Dr. Brill vertrat weiter die Auffassung, daß auch die organisatorische Trennung der Arbeiterparteien überwunden werden müsse und sie einer einheitlichen Arbeiterpartei zustrebten. Ferner dürfe man nicht zu einer parlamentarischen Republik zurückkehren, denn allgemeine Wahlen müssten uns auf Grund der in den 12 Jahren Nazidiktatur herbeigeführten geistigen Verwahrlosung in eine schlimme Lage bringen. Man müsse die demokratische Volksrepublik im Auge behalten. 3 Der Genosse Walter Wolf von der KPD wies darauf hin, daß der Befehl 2 des Generals Shukow der gegenwärtigen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Lage in Deutschland entspreche und daß mit baldigen allgemeinen Wahlen nicht zu rechnen sei. Jetzt komme es vor allem darauf an, die Bildung eines antifaschistischen Blocks zu organisieren.Der Genosse Dr. Brill schlug dann vor die Frage zu erwägen, ob nicht der bestehende Thüringen-Ausschuß die Aufgaben des antifaschistischen Blocks übernehmen könne.Es wurde beschlossen, daß 2 Vertreter des Bundes demokratischer Sozialisten und 2 Vertreter der KPD ein Aktionsprogramm für Thüringen ausarbeiten sollten.

Quelle: Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Bezirksparteiarchiv der SED Erfurt, V/5-028, Bl. 3r-45r (Richard Eyermann: Erinnerungen vom Kampf um die Herstellung der Einheit der Arbeiterklasse vom April-Mai 1945 bis zum Vereinigungsparteitag mit Dokumenten), hier Bl. 29r-31r (ms. Ausfertigung).

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