8. Mai 1945
a) Generalverfügung über die Führung der Verwaltung
An alle Dienststellen
Generalverfügung Nr. 1– Geschäftsverkehr mit dem Oberbürgermeister –
1.)Die näheren generellen Bestimmungen über die Führung der Verwaltung nach Übernahme des Amtes des Oberbürgermeisters durch mich, und den schriftlichen und persönlichen Verkehr der Dienststellenvorsteher und Beamten mit mir, gebe ich durch fortlaufende generelle Verfügungen bekannt. Die Verfügungen sind nummeriert und der Reihe nach in ein besonderes Aktenstück einzuheften. Nachträge zu denselben Gegenständen erhalten dieselbe Nummer und sind unter der gleichen Ordnungszahl einzufügen. Die Verfügungen tragen eine den Inhalt bezeichnende Überschrift. Dem Aktenstück ist ein alphabetisches Verzeichnis nach den Überschriften vorzuheften.
2.)Alle Vorlagen an mich sind möglichst aus der Kenntnis des Sachbearbeiters heraus mit Vorschlägen zu versehen, was geschehen soll. Gegebenenfalls sind die Verfügungen des zu Veranlassenden vorzuschreiben. Es ist nicht angebracht, mir nur einen Tatbestand vorzulegen, ohne daß der Sachbearbeiter sich dazu äußert, wie er sich den Fortgang oder die weiter notwendigen Entschließungen denkt. Ich werde gegebenenfalls die Vorschläge annehmen oder nach meiner Erkenntnis berichtigen. Bei der Fülle der Arbeit, die mir zufällt und dem Umfang der Stadtverwaltung bin ich zunächst darauf angewiesen, mir mit bestimmten Vorschlägen der eingearbeiteten Sachbearbeiter zu kommen.
3.)Bei besonders wichtigen Sachen und Angelegenheiten von grundlegender Bedeutung ist mir mündlicher Vortrag zu halten. Mit kleineren und nebensächlicheren Fragen bitte ich mich aber bei der Fülle meiner Arbeiten zu verschonen.Beim Vortrag erwarte ich ein kurzes und bestimmtes Referat.
4.)Eingänge, bei denen ich vor der Bearbeitung Rücksprache wünsche, werde ich mit einem Rotkreuz versehen. Ist der Vortrag sofort zu halten, wird das Wort „sofort“ beigeschrieben.
G e r a, 8. Mai 1945

Quelle: Stadtarchiv Gera , III C 01, Nr. 0043, Bl. 1r (ms. Ausfertigung).