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          Historische Kommission Thüringen
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          "Edition Ära Paul" 1945 - 1947
            /
          1946
            /
          158 Teilnahme des Thüringer Landespräsidenten Rudolf Paul an der 9. Tagung des Länderrates der amerikanischen Besatzungszone in Stuttgart am 4. Juni 1946
            /
          c
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        <hi style="font-size:12pt">Nr. 158c</hi>
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      <p style="text-align:right;">
        <hi style="font-size:12pt">4. Juni 1946</hi>
      </p>
      <p>
        <hi rend="bold" style="font-size:12pt">Ansprache Rudolf Pauls vor dem Länderrat</hi>
      </p>
      <p>
        <hi style="font-size:12pt">[…]</hi>
      </p>
      <p>
        <hi rend="underline" style="font-size:12pt">Paul</hi>
        <hi style="font-size:12pt">: Meine Herren Ministerpräsidenten: Meine Damen und Herren: Als ich die Fahrt zu Ihnen unternahm, habe ich es in dem Glauben und in der Hoffnung getan, einen Schritt auf dem Weg zur Einheit deutschen Denkens, deutscher Kultur, deutschen Aufbauwillens zu tun. Ich danke Ihnen für die Möglichkeit der Teilnahme an dieser Sitzung. Ein besonderer Dank geht an General Clay insonderheit für die besonders liebenswürdigen Worte der Begrüßung.</hi>
      </p>
      <p>
        <hi style="font-size:12pt" xml:space="preserve">   Meine Teilnahme an dieser Tagung hat mir einen Einblick in Ihre Arbeit gegeben und bestätigt, daß Sie wie wir mit nahezu denselben Schwierigkeiten und Problemen zu rechnen haben und daß Sie wie wir unverzagt an die Aufgaben herangehen, an das Wegräumen des Gerölls, das wir vorfanden. Ich sehe dieselben Fragen und Kleinigkeiten (Besteuerung der Ackerschlepper usw.). Ich sehe Ihre großen Sorgen in der Flüchtlingsangelegenheit, im Finanzausgleich und wie diese Dinge alle heißen mögen, dieselben Sorgen wie bei uns und ich stelle schließlich fest die Verbundenheit Ihrer Zone mit der unsrigen zur Überwindung von Leiden und Schwierigkeiten im Aufbau für morgen und für die Zukunft unseres Volkes.</hi>
      </p>
      <p>
        <hi style="font-size:12pt" xml:space="preserve">   Ich beglückwünsche Sie von Herzen zur Errichtung des Direktoriums. So schnell und so sachlich die Arbeit in der heutigen Sitzung gewesen ist, so habe ich den Eindruck gewonnen, daß eine große Anzahl dieser Punkte vor ein kleineres Gremium gehört, so daß Sie, meine Herren Ministerpräsidenten, in allererster Linie den Kopf für größere Aufgaben frei haben, mehr als bisher, bei der Fülle der an Sie herankommenden Sachen. Ich möchte, bevor ich schließe, einen Gedanken ausdrücken.</hi>
      </p>
      <p>
        <hi style="font-size:12pt">Meine Herren Ministerpräsidenten und meine Damen und Herren: Viel einschneidender für uns, für unser Volk, als die Zerschneidung des deutschen Raums in Zonen sehe ich eine Gefahr in Deutschland aufdämmern. Ich sehe aufdämmern die Gefahr der Zerreißung der Ideologie. Ich sehe und höre, wie man in dieser Zone über jene spricht und umgekehrt, und es ist das Erschütternde für mich, daß ich feststellen muß, daß wir Deutsche, die in den ersten Anfängen des Aufbaus stehen, schon wieder drauf und dran sind, durch Übernahme oder durch Weitertragen von Gerüchten uns auseinanderzureden und damit in der Schwächung von uns, in der inneren Selbstzerfleischung unter uns, uns die Möglichkeit des erfolgreichen Wiederaufbaus nehmen. Ich vertrete den Standpunkt – und dieser Standpunkt ist nicht nur der meine –, es ist der Standpunkt der Präsidenten der Zone, aus der ich komme –, daß wir die Gestaltung unseres Schicksals und den politischen Aufbau Deutschlands selbst in die Hand nehmen müssen, und wir vertreten den Standpunkt, daß gut nur das ist, was bei uns selbst gewachsen, was geschichtlich geworden ist, und dann können wir als Deutsche und in Deutschland kein System, mag es aus Frankreich, aus Russland, mag es aus Amerika kommen, übernehmen, sondern wir können nur aufbauen einen neuen Staat auf dem, was bei uns durch die geschichtliche Entwicklung gegeben, was damit im Sinne der Geschichte erprobt und richtig ist.</hi>
      </p>
      <p>
        <hi style="font-size:12pt" xml:space="preserve">   Ich wünsche Ihnen für Ihre Weiterarbeit vollen Erfolg. Ich hoffe, daß mein heutiges Kommen erwidert wird durch Sie, meine Herren, und ich hoffe, daß ein starker Austausch nicht nur innerhalb der Bevölkerung, sondern vor allem zwischen den Präsidenten geschieht und daß der Tag nicht mehr ferne ist, wo die Präsidenten, einmal legitimiert durch die Verantwortung, die sie gegen die Bevölkerung tragen, dann die Stimme erheben können, die Stimme zur Beseitigung der Demarkationslinie. Wir mögen heute verschiedene Wege gehen. Aber über eins sind wir uns klar, eins ist gewiß, alle unsere Wege führen zu demselben Ziel: In unsere deutsche Heimat. (Lebhafter Beifall.)</hi>
      </p>
      <p>
        <hi style="font-size:12pt">[…]</hi>
      </p>
      <p>
        <hi style="font-size:12pt">Quelle: Vogel, Walter / Weisz, Christoph (Bearb.): Akten zur Vorgeschichte der Bundesrepublik Deutschland 1945 – 1949, Sonderausgabe, Band 1: September 1945 – Dezember 1946, 2 Teile, München 1989, Bd. 1/1, S. 569f.</hi>
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